Lukas Podolski: Der unterschätzte Weltmeister

Lukas Podolski hat eine Autobiografie geschrieben, in dem Fußball nur eine Nebensache ist - ihm geht's ums Engagement

Lukas Podolski im Biografien-Blog
Foto: Marcello Casal Jr/Agência Brasil, lizenziert unter CC BY 3.0 br

Er ist der Spaßmacher in der deutschen Nationalmannschaft: Lukas Podolski. Der Mann mit dem starken linken Fuß ist immer zum Scherzen aufgelegt. Oft genug hat auch ganz Fußball-Deutschland über ihn geschmunzelt - wenn er vor dem Mikrofon gestanden hat. Dabei hat Podolski viel zu sagen. Er ist nicht nur ein erfolgreicher Profisportler. Er ist ein deutscher Weltmeister mit Migrationshintergrund. Und er kümmert sich um benachteiligte Jugendliche, die den Sport nutzen wollen, um wie er durchzustarten. In der Autobiografie von Lukas Podolski ist Fußball jedenfalls fast nur Nebensache. Ein Blick hinein:

Klick auf's Cover: Direkt zum Verlag
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Der deutsche Weltmeister Lukas Podolski  ist über ein Aufnahmelager nach Deutschland gekommen. Ende der 1980er Jahr siedelt seine Familie aus Gliwice in Südpolen aus. Im Grenzdurchgangslager Friedland erlebt der knapp dreijährige Lukas, was heute viele Flüchtlinge durchmachen müssen: "Es war vollkommen überfüllt, alle redeten in Sprachen, die ich nicht kannte, alle waren wir wie entwurzelt und fremd. Es gab Essen, das wir nicht gewohnt waren, und ein eigenes Zimmer hatten wir auch nicht, weil so viele Menschen in Deutschland bleiben wollten." Die Podolskis kommen in Bergheim bei Köln unter. Dort wird der Fußball zum Integrationshelfer für Lukas: Mit dem Ball unter dem Arm traut er sich zu den anderen Jungs auf dem nahegelegenen Bolzplatz und findet Anschluss. Seine Eltern fördern das sportliche Talent, das sich früh abzeichnet. Aber sie bestehen auch darauf, dass er die Deutsch lernt und sich einbringt. Irgendwann wird der traditionsreiche 1. FC Köln auf Podolski aufmerksam und seine Fußballkarriere nimmt ihren Lauf. Sie führt ihn über  Bayern München und Arsenal London bis zu Galatasaray Istanbul. Podolski hat es geschafft: Er ist ein Fußballweltbürger, der aber nie vergessen hat, welchen Anfang seine Lebensgeschichte genommen hat. 

Deshalb setzt er sich vorbildlich für Jugendliche ein, die es schwerer haben als andere. Seit vielen Jahren ist Podolski Botschafter des christlichen Kinderprojekts Die Arche, das sich um sozial benachteiligte Jugendliche kümmert.

Dieses Engagement ist ihm nicht genug. In seiner eigenen Lukas Podolski Stiftung setzt Podolski auf den Sport, um Kinder von der Straße zu holen, ihre Integration und Inklusion zu fördern und  ihnen Selbstsicherheit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu vermitteln. Aber auch das reicht noch nicht. Denn  Podolskis Botschaft an die Jugendlichen lautet wie der Titel seiner Autobiografie: Dranbleiben. Talent  ist nur der Anfang...

Foto: Ronnie Macdonald (CC BY 2.0)
Foto: Ronnie Macdonald (CC BY 2.0)

Als Mutmacher in dieser Sache erzählt Podolski in seinem Buch nicht nur von sich, sondern von vielen Kindern und Jugendlichen, die jetzt in ähnlichen Situationen stecken wie er früher. Keine Sorge! Die großen Emotionen, die der Fußball schreibt, die wichtigen Karriereschritte, Spiele und die Augenzeugenberichte aus den berühmtesten Stadien der Welt kommen nicht zu kurz. Aber es geht auch um die Probleme und Sorgen, Träume und Wünsche von Jakub vom Balkan und Jona aus Afrika, von Fernando aus Rumänien und Seyed aus dem iranisch-türkischen Grenzgebiet, die er alle in Steckbriefen und Anekdoten vorstellt. Und mittendrin - auch als Steckbrief - der private Podolski: verheiratet, ein Sohn, Handelsschule besucht, liebt HipHop und RnB, polnisch und kölsch. Diese Autobiografie ist anders als manche selbstverliebte Fußballererinnerung. Nicht "Ich hab's allen gezeigt" (wie Stefan Effenberg) oder sogar nur "Ich" (wie Oliver Kahn) - hier geht's um mehr - und das ist vorbildlich!

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