22. August 1902: Leni Riefenstahl (*)

Bundesarchiv, Bild 152-42-31 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0
Bundesarchiv, Bild 152-42-31 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0

Sie verhalf Hitler zum großen Kino: Leni Riefenstahl. Unter ihrer Regie entstanden die Propagandafilme von den nationalsozialistischen Reichsparteitagen in Nürnberg: Mit "Triumph des Willens" (1934) setzte sie nicht nur dem Kult von Führer und Volk ein filmisches Denkmal - das in den vergangenen 70 Jahren zum Mahnmal gereift ist - sie schrieb sich damit auch das Drehbuch Ihres Lebens: Willensstärke war ihr Vermögen. Und ihr Verderben.

Foto: Alexander Binder. Lizenziert unter Gemeinfrei
Foto: Alexander Binder. Lizenziert unter Gemeinfrei

Früh trotzt sie dem strengen Vater, lernt heimlich tanzen und schauspielern. Damit bringt sie es auf mancher Berliner Bühne zu einigem Erfolg. Bald weichen Ausdruckstanz und Ballett dem Bergfilm; wieder setzt sich ihr Wille durch, nunmehr gegen die eigene Gesundheit. Trotz eines Knieleidens und mehrerer Knöchelbrüche lernt sie Skilaufen. an der Seite des Schauspiel-Idols Luis Trenker wird sie vor der Kamera gefeiert; hinter der Kamera entpuppt sie sich gar als Genie: "Das blaue Licht" (1932) lässt sie im gleißenden Scheinwerferkegel der männerdominierten Filmbranche hell erstrahlen. Aus dem Sternchen wird schließlich ein Star, als sich Leni Riefenstahl mit Hitler und Goebbels einlässt. Ihre Inszenierungen der Olympischen Spiele (1936), ihre Regiearbeit und ihr Schnitt ernten internationale Anerkennung. Dass sie als Zelluloid-Ästhetin der Fratze des Bösen ein künstlerisches Feigenblatt verschafft, will sie nicht sehen – und wieder erweist sich darin als willensstark. Fast 60 Jahre, bis zu ihrem Tod 2003, stellt sie sich ihrer Vergangenheit als Tänzerin mit dem Teufel nicht. Sie schaut weg, durch die Linse der Fotokamera, die sie nach Kriegs- und vorläufigem Karriereende für sich entdeckt. Sie läuft weg, weit weg sogar: nach Afrika, wo sie die Nuba fotografiert. Sie taucht ab, in die Tiefen des Indischen Ozeans, wo sie mit über 70 Jahren Korallenriffe aufnimmt. Vor dem Urteil ihrer Nachwelt kann Leni Riefenstahl aber weder weglaufen noch abtauchen: mag sie auch eine begnadete Künstlerin gewesen sein, so war sie doch Hitlers Künstlerin; und das bleibt von Leni Riefenstahl auch am heutigen Tag, an dem sie 111 Jahre alt geworden wäre: Ihr Geburtstag war der 22. August 1902. 

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